Teil 3.2 Exchange Traded Fonds (ETF)

Exchange Traded Fonds ETF

Exchange Traded Fonds

Was sind eigentlich ein Exchange Traded Fonds und wie funktioniert das Produkt eigentlich? Ich begrüße dich hiermit zu einem weiteren Teil der Artikelserie zum Thema „Investieren“ auf meinem Blog. Bei einem ETF handelt es sich um einen börsengehandelte Indexfonds, der das Ziel des passiven Investieren`s verfolgt.

Mehr zum Thema ETF`s in den folgenden Zeilen. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen.

 

Unterschiede

ETF`s sind eine komplett passive Form des investieren`s, da in den meisten Fällen ein Index aus Aktien nachgebildet wird. In einem ETF können aber auch Rohstoffe, Immobilien, Anleihen oder Währungen abgebildet werden. Der Unterschied zum aktiven Investieren liegt zum einen in dem Zeitaufwand, den man betreiben muss. Beim aktiven Investieren ist viel Wissen, Zeit und Arbeit nötig, um sich bevor man sein Geld investiert einen Überblick über das Unternehmen zu verschaffen. Du wirst dich beim aktiven Investieren viel intensiver mit dem Geschäftsmodell auseinander setzen müssen. Des Weiteren sind dann noch Fähigkeiten bei der Unternehmensbewertung und Kennzahlenanalyse* von Vorteil.

Ein weiterer Unterschied ist die Streuung bzw. Diversifikation. Mit einem MSCI World ETF bist du zum Beispiel an über 1.600 Unternehmen auf der Welt beteiligt. Es würde dir somit gar nicht auffallen, wenn ein Unternehmen von diesen 1.600 Pleite gehen würde. Bei einer Einzelaktie hingegen trägst du ein sehr hohes Risiko, da du von diesem einem Unternehmen abhängig bist. Einzelaktien wirst du sehr bewusst auswählen.

Den Markt zu schlagen ist nicht unmöglich. Jedoch wird dies unheimlich viel Zeit in Anspruch nehmen und das Risiko ist deutlich höher. Es gelingt daher nur den wenigsten Anlegern, den Markt zu schlagen. Der passive Ansatz des Investieren`s erwirtschaftet für den Privatanleger mit einem langen Anlagehorizont von mindestens 10 bis 20 Jahren zudem eine konstant hohe Rendite. Diese Rendite liegt in den meistens Fällen unterhalb des Vergleichsindex.

ETF`s sind börsengehandelte Fonds, die sich von normalen Aktien nur wenig unterschieden. Bei vielen Onlinebrokern wie auch bei der Comdirect*, bei der ich mein Depot habe sind viele ETF`s monatlich in einem Sparplan ausführbar.

 

Historie

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich selbst erst 2016 von ETF`s erfahren habe. Wenn man aber zurück in die Geschichte blickt, dann wird man schnell feststellen, dass es den ersten ETF bereits 1970 gab. Es handelt sich um einen ETF auf den S&P. Danach folgte ein ETF auf den Dow Jones Industrial Average.

In Deutschland sind ETF`s erst um das Jahr 2001 bekannt geworden. Das angelegte Vermögen weltweit stieg jedoch weltweit rasant an.  Ein paar Zahlen und Fakten zu diesem Thema.

  • 2002 – 142 Mrd. USD
  • 2007 – 797 Mrd. USD
  • 2009 – 1.000 Mrd. USD

Ende 2015 lag das investierte Kapital bei rund 500 Mrd. Euro. Angefangen hatte man 2001 mit rund 5 Mrd. Euro.

Ich denke der Hauptgrund warum ETF`s nicht sonderlich bekannt waren liegt darin, dass die Finanzindustrie damit nur wenig Geld verdienen kann. Der Ansatz des passiven Investieren`s verfolgt nicht das Ziel seine Anlagen bei Bedarf auszutauschen und durch diesen Wechsel Transaktionsgebühren zu verursachen. Der Kauf von ETF`s entspricht in einem kleinen Ansatz von Buy & Hold*.

Somit ist es nicht unbedingt ein Ziel der Finanzindustrie den Anleger wirklich reich zu machen. Vielmehr möchte man ihn zu einem Wechsel seiner Anlagen hinführen, sodass der Berater seine Provision bekommt und die Bank an den Transaktionskosten verdient.

 

Abbildungsmethoden

Bei den ETF`s gibt es X verschiedene Methoden der Replikation. Diese Methoden werde ich dir hier etwas näher bringen.

Physische Replikation

Bei dieser Form werden Anteile der Unternehmen, die sich in dem Index befinden, den der ETF abbilden möchte tatsächlich erworben. Die Gewichtung der Unternehmen im ETF orientiert sich am dem Index. Dieses Thema wurde von mir in meinem letzten Artikel schon beleuchtet. Das Stichwort nachdem du im Artikel über Aktien Ausschau halten solltest nennt sich Streubesitz-Marktkapitalisierung.

Sampling Methode

Bei dieser Methode erwirbt die Fondgesellschaft nicht den vollen Anteil an Aktien von den Unternehmen, welche im Index gelistet sind. Sie fokussiert sich darauf Ordergebühren zu sparen und erwirbt somit deutlich weniger Anteile als vorgesehen. An der Abbildung des Index ändert sich dadurch aber nicht. Die Fondgesellschaft kauft hier in den meisten Fällen nur die Unternehmen mit der größten Gewichtung und welche eine hohe Liquidität aufweisen. Als ein Beispiel könnte man hier den MSCI World nennen, bei dem rund 1.600 Unternehmen enthalten sind. Nach dem Sampling Methode werde jedoch nur 300 Unternehmen gekauft.

Swap Replikation

Bei dieser Replikationsmethode gibt es zwei Teilnehmer. Die Fondgesellschaft des ETF erwirbt Anteile von Unternehmen, welche nicht zwingend im abzubildenden Index gelistet sein müssen. Der Swap Partner besitzt diese Aktien, welche in dem ETF vorhanden sind. Es kommt nun zu einem Tauschgeschäft, bei dem auch die Erträge in Form von Dividenden eingetauscht werden können.

Mit dieser Methode kann eine höhere Rendite bei einem ebenfalls höheren Risiko erzielt werden. Die Physische- und die Swap-Replikation haben beide zudem das Ziel einen geringen Tracking Error zu erzielen. Darunter versteht man die Differenz des ETF zum abzubildenden Index. Beim Sampling ist der Tracking Error jedoch immer wesentlich höher. Ein Beispiel hierfür wäre zum Beispiel wenn der DAX Index im Jahr 2016 15% Rendite erwirtschaftet hat und der ETF auf diesen DAX nur 13%. Die Tracking Differenz liegt somit bei 2%.

Natürlich ist die Swap Methode etwas risikoreicher, da der Tauschpartner Pleite gehen kann. Hierfür existieren Sicherheiten, die man sich bei seiner Fondgesellschaft bzw. auch beim Tauschpartner anschauen sollte. Durch die europäische Gesetzgebung ist dieses Risiko auf 10% begrenzt.

 

Ertragsverwendung

Bei den ETF`s unterscheidet man zwei Verwendungen der Erträge, auf welche ich nun eingehen werde.

Thesaurierung

Thesaurierung bedeutet, dass die Dividenden, Zinsen oder andere Erträge aus dem ETF direkt in neue Anteile an Unternehmen ausgegeben werden. Die Erträge werden sozusagen wieder reinvestiert. Dies geschieht vollkommen automatisch und es Bedarf keiner Order, die wieder Gebühren zur Folge hätte. Bei dieser Verwendung der Erträge macht sich der Zinseszinseffekt deutlich bemerkbar. Für den langfristigen Anleger eignet sich diese Form der Gewinnverwendung am besten

Zudem wirst du von einem Steuerstundungseffekt profitieren, da diese Erträge nicht besteuert werden. Dieser Effekt wurde jedoch durch die Steuerreform zum 01.01.2018 etwas gemindert.

Ausschüttung

Die ausschüttende Form der Ertragsverwendung gestaltet sich wie bei einer Dividende. Welche der beiden Formen der Ertragsverwendnung du bevorzugen wirst liegt an deinen eigenen Vorlieben. Eine stetig wachsende Ausschüttung kann für den einen motivierend sein. Wie oben aber schon erwähnt, eignen sich thesaurierende ETF`s für einen längeren Anlagehorizont.

 

Kosten

Natürlich kommen bei ETF`s auch Kosten auf dich zu. Diese beginnen in wenigen Fällen mit den Depotführungsgebühren. Viele Onlinebroker bieten an diese Gebühr bei regelmäßigen Ausführungen im Sparplan entfallen zu lassen.

Des Weiteren fallen natürlich auch Kosten in der Form von Steuern an. Die Besteuerung von ETF`s wurde schon auf diversen Blogs diskutiert. Ich verlinke dir daher den Artikel vom Finanzwesir: ETF-Besteuerung ab 2018

Bei vielen Brokern gibt es Aktions-ETFs, welche du kostenlos im Sparplan besparen kannst. Dieses Angebot kann sich jedoch mal ändern und es wird dann eine Gebühr in Höhe von 0,50€ – 1,50€ je nach Broker fällig. Diese Kosten kann man zum Beispiel durch den Wechsel der ETFs oder einen Wechsel des Brokers umgehen. Ich bin davon selber im letzten Jahr betroffen gewesen und habe für mich die Entscheidung getroffen, dass ich andere ETF`s besparen werde.

Kommen wir nun zu den interessantesten Kosten, welche die unterschiedlichen ETF`s vergleichbar machen. Ich schreibe hier von der TER Total Expense Ratio (TER). Diese Kennzahl ist als eine Gesamtkostenquote zu verstehen, die zum einen die Verwaltungsgebühren oder Betriebskosten deines ETF`s enthält. In dieser Kennzahl sind jedoch nicht die Transaktionsgebühren und Steuern enthalten, die durch die Fondgesellschaft bezahlt werden.

Von daher ist es wichtig zu wissen, das die Gesamtkosten immer etwas über der im Produktheft vom ETF angegebenen TER liegen. Die Gesamtkosten deines ETF kannst du am Jahresende genau ausrechnen, wenn du die Rendite deines ETF von der Rendite deines Vergleichsindex abziehst. In dieser Prozentzahl sind nun alle Kosten enthalten.

 

Nachteile von einem ETF

Ein ETF hat natürlich auch Nachteile. Zum einen wird man den Markt als Anleger niemals schlagen. Ein ETF hinkt seinem Index immer hinterher.

Des Weiteren hatten wir einen weiteren Nachteil bei den Abbildungsmethoden schon erwähnt. Dazu zählt das Risiko bei Swap ETF und deren Tauschpartner.

Viele Experten sind sogar der Meinung, das Sparpläne auf ETF`s die Kurse stetig antreiben ohne das es einen wirklichen Grund gibt. Auf der anderen Seite empfehlen selbst Investment Ikonen wie Warren Buffet ETF`s für den kleinen Privatanleger.

Ich selbst bin der Meinung, dass staatlich geförderte Rentenprodukte ausgedient haben und habe deshalb 2017 meine private Rentenversicherung gekündigt und ETF`s als Kapitalanlage für die Rente gewählt.

 

Aufbau eines ETF

Ein ETF sieht im Aufbau sehr einfach aus. Hierfür möchte ich dir von meinem Comstage MSCI World (ETF110) deren Verteilungen als Bild kurz zeigen.

Exchange Traded Fonds ETF

 

Aufbau eines ETF Portfolios

Das herkömmliche ETF Portfolio welches von den meisten Anlegern praktiziert wird gliedert sich zu 70% in einen MSCI World und 30% in einen Emerging Markets ETF. Diesem Portfolio kann man bei belieben dann noch einen MSCI Pacific / Asien oder einen EuroStoxx 600 ETF beimischen.

Zusätzlich gibt es auch ETF`s, welche den Anleihenmarkt abdecken. Aber auch ein ETF für Rohstoffe ist sofort besparbar.

Die Welt der ETF`s hat in den letzten 5 Jahren eine enorme Vielfalt aufgebaut. Es lassen sich einzelne Länder wie z.B Brasilien oder Südafrika direkt fokussiert besparen. Aber auch Branchen wie Banken, Robotik und Automobilindustrie  lassen sich in den Fokus fassen.

Dem Anleger stehen hier unheimlich viele Wege offen sein Portfolio nach seinen eigenen Wünschen und Ideen zu gestalten. Der Vorteil der einfachen Auswählbarkeit und Handhabung machen dieses Produkt für die breite Masse sehr einfach zugänglich ohne viel Wissen über die einzelnen Unternehmen aufbauen zu müssen.

 

Möglichkeiten des Investieren`s

In ETF`s kannst du ganz bequem per Einmalbetrag investieren oder den Weg über einen Sparplan wählen. Hierbei liegen die Mindestbeträge bei der Comdirect* gerademal bei 25€.

 

Nützliche Tools

Zum Abschluss möchte ich dir einige nützliche Seite empfehlen, die dir bei der Auswahl deiner ETF`s und der Zusammenstellung deines Portfolio helfen können.

Das erste Tool ist von der Seite Morningstar und heißt X-Ray und hilft dir dabei die Gewichtung deiner ETF`s festzulegen. Des Weiteren gibt es dann noch die Seite von Justetf, bei der du wirklich alle ETF`s findest, die es gibt. Zudem kannst du auf dieser Seite die einzelnen ETF`s direkt miteinander vergleichen.

Selbstverständlich darf an dieser Stelle auch nicht die ETF-Bibel schlechthin fehlen:

Schlusswort

Mir hat es wieder unheimlich viel Spaß gemacht diesen Artikel zu schreiben. Ich hoffe dir hilft dieser Artikel etwas die richtigen Anlageassets für dein Portfolio zu finden. Natürlich kann man auch wie bei den ETF`s tiefer ins Detail gehen. Vielleicht knüpfe ich an diesen Artikel in Zukunft nochmal an.

Zum Abschluss möchte ich dir noch zwei sehr informative Artikel zum Thema ETF`s und Gebühren von Jenny aka ExStudentin empfehlen.

  1. Meine ETF-Sparpläne kosten bald etwas – was nun? – Teil 1

  2. Meine ETF-Sparpläne kosten bald etwas – so geht’s weiter – Teil 2

Wenn du gerne weiter auf dem Laufenden sein möchtest, was rund um meinen Blog und mein Depot so passiert, dann folge mir doch einfach auf Facebook, Twitter oder Insatgram.

Beste Grüße

Stefan

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