Anleihen als weitere Anlagemöglichkeit

Anleihen als weitere Anlagemöglichkeit

Willkommen zum heutigen Artikel mit der Anlageklasse „Anleihen“ oder auch „Bonds“ genannt. Weitere Begriffe für eine Anleihe sind Obligation oder Rentenpapier. Eine Anleihe dient zum Beispiel einem Unternehmen oder einem Staat als Fremdfinanzierung, wenn diese Gelder benötigen. Neben den Unternehmensanleihen oder Staatsanleihen gibt es weitere Formen von Anleihen. Dazu zählen Aktienanleihen, Privatkredite, Pfandbriefe und Schuldscheinverschreibungen.

Du als Anleger hast mit deiner Anleihe das Recht erworben an jährlichen festen Zinszahlungen von diesem Papier zu partizipieren. Anleihen können zudem ebenso wie Aktien an der Börse gehandelt werden. Sie stellen eine Art Kredit dar, den du dem Emittenten einräumen kannst. Dies ist ein wichtiger Unterschied, da du bei einer Anleihe nicht am Grundkapital einer Aktiengesellschaft beteiligt bist.

Der Handel der Anleihen verläuft bei Neuemissionen über den Primärmarkt und bei schon ausgegebenen Anleihen auf dem Rentenmarkt oder dem so genannten Sekundärmarkt. Genau wie bei Aktien wird auch bei Anleihen ein Kurs ermittelt, zudem diese gehandelt werden können.

Es gibt daher auch Anleger, die mit Anleihen auf potenzielle Kursgewinne spekulieren.

 

Begrifflichkeiten

Emittent

Der Emittent ist derjenige, welcher eine Anleihe auf den Markt bringt. Dies kann ein Staat, Unternehmen oder eine Bank sein.

Tilgung

Die Tilgung ist die Rückzahlung des Nennwertes am Ende der Laufzeit der Anleihe.

Stückelung

Die Stückelung von Anleihen kann beispielsweise von 10€, 100€, 1.000€ bis zu 10.000€ gehen. Natürlich können  Anleihen in anderen Währungen wie zum Beispiel in Dollar ausgegeben werden.

Nennwert

Der Nennwert ist der Wert, den du am Ende der Laufzeit zusätzlich zu deinen erhaltenen Zinszahlungen zurück bekommst. Solltest du mit Anleihen handeln wollen, dann wird dir auffallen, das bei Anleihen nie ein Kurs angegeben wird. An Stelle des Kurses wird eine Prozentzahl angegeben, aus dieser du dann ablesen kannst, welchem Preisniveau die Anleihe gegenüber ihrem Nennwert entspricht.

Ein Beispiel hierfür:

Eine Anleihe wird für 100 € ausgegeben und von dir gezeichnet. Nach weiteren sechs Monaten stellst du fest, dass die Anleihe am Sekundärmarkt gefallen ist. Sie hätte einen Wert 95 €. Somit würde an der Stelle des Kurses nun 95% stehen.

Kuponzins/Zinszahlung

Dies ist der Zins, den du in regelmäßigen Abschnitten vom Emittenten bekommst. Dieser wird in den meisten Fällen jährlich gezahlt. Bei US Anleihen wird dieser wie bei vielen US Dividendenaktien ebenfalls vierteljährlich gezahlt. Beachte, dass hier jedoch immer nur 1/4 des angegebenen Kuponzins gezahlt wird, da die Angabe als p.a ausgeschrieben wird.

Laufzeit

Die Laufzeiten von Anleihen können sehr unterschiedlich sein. Sie reichen von wenigen Jahren bis hin zu 30 Jahren. In der Regel wirst du Anleihen mit einer Laufzeit von 5, 7, 10 oder 15 Jahren finden. Staatsanleihen haben meisten längere Laufzeiten als Unternehmen.

 

Arten von Anleihen

Staatsanleihen

Bei einer Staatsanleihe wird die Anleihe durch ein Land wie z.B Deutschland oder Griechenland ausgegeben, wenn die Steuergelder zur Finanzierung des Staates nicht ausreichen.

Unternehmensanleihen

Um eine Unternehmensanleihe handelt es sich, wenn ein Unternehmen anstatt Aktien lieber Anleihen ausgibt um Kapital zu generieren. Das Geld, welches durch diese Anleihe eingenommen wurde, wird dann in den meisten Fällen für Forschung, Entwicklung, Expansion oder die Übernahme eines anderen Unternehmens verwendet.

Aktienanleihen

Aktienanleihen sind erstmal nichts anderes als Unternehmensanleihen. Der Unterschied zwischen den beiden liegt jedoch in der Auszahlung des Nennwertes. Der Nennwert kann bei einer Aktienanleihe auch in Form von Aktien ausgegeben werden. Dies lohnt sich für den Emittenten besonders, wenn der Kurs der Aktie die ausgegeben wird niedriger ist als der Nennwert der Anleihe. Der Kapitalgeber bekommt also höchstens den Nennwert zurück und als Minimum den Wert, der sich aus dem Kurs ergibt.

Ein Beispiel hierfür:

Der Nennwert einer Anleihe beträgt 1.000€ und der Emittent könnte dir genausogut 50 Aktien am Laufzeitende zurückzahlen. Der Kurs der Aktie liegt somit bei 20€ (=1.000€/50 Aktien). Wenn der Kurs nun bei 15€ liegt, dann bekommst du als Beispiel nur 750€ zurück. Liegt der Kurs jedoch oberhalb, wirst du die 1.000€ zurück bekommen. Die Zinszahlungen bleiben hiervon komplett unberührt und bleiben dir erhalten.

 

Die Bonität

Während der Finanzkrise 2008/2009 und in den ersten Jahren danach sind dir bestimmt die folgenden Zeilen noch genau im Kopf geblieben.

„Standard and Poors stuft Griechenlandanleihen auf A- herab“

Anleihen als auch Unternehmen werden in ihrere Bonität bewertet. Hierbei können diese von S&P von AAA bis D. Speziell Unternehmen können jedoch kein AA+ Rating erreichen, da diese grundsätzlich einem höheren Risiko ausgesetzt sind als Staaten. Somit kannst du für deine Aktien- als auch Anleihenanalyse auch das Rating als ein weiteres Kriterium für die Auswahl auswählen.

Neben S&P gehören Moody`s und FitchRatings zu den bekanntesten Ratingagenturen.

Man könnte Ratingagenturen auch als eine Art Schufa bezeichnen, die das Zahlungsverhalten und die Zuverlässigkeit der Unternehmen bewertet. Des Weiteren wird auch darauf geschaut, ob das Unternehmen überhaupt Erträge erwirtschaftet, um seinen Verpflichtungen nachzukommen.

Die Einstufung geschieht vollkommen unabhängig und vermeidet jeden Interessenkonflikt. Ratingagenturen handeln somit vollkommen ohne Zwänge und sind bei Auftrag verpflichtet ein Rating zu erstellen.

 

Warum Anleihen ins Depot

Anleihen werden aufgrund ihrer konstanten Kurse und Erträge oftmals als Beimischung für ein Portfolio empfohlen. Hierbei versucht man die Volatilität (=Schwankungsbreite) des Depots im Falle eines Crash zu mindern.

Dies geht in meinen Augen auf Kosten der Rendite, da dein Kapital bei einer Anleihe fest gebunden ist und du es nicht in andere Assets investieren kannst. Solltest du somit viel Wert auf eine hohe Liquidität setzen, dann empfiehlt sich eher ein Tagesgeldkonto.

Aktien zeichnen sich bei einem kurzen Anlagehorizont durch eine hohe Volatilität aus. Je länger jedoch der Anlagehorizont wird, desto geringer ist die Volatilität und man ist mit Anleihen anderen Risiken ausgesetzt.

Je nach Rating kann man Anleihen schon als sehr sicher bezeichnen. Im Folgenden möchte ich einige Risiken von Anleihen nennen.

 

Risiken von Anleihen

Die Risiken von Anleihen hängen im wesentlichen von dem Emittenten, der Laufzeit und der Bonität bzw. dem Rating ab. Dennoch können auch wirtschaftliche Einflüsse wie Zinssenkungen und Anhebungen den Wert oder besser die Sicherheit einer Anleihe gefährden.

Liquiditätsrisiko

Dieses Risiko besteht, wenn eine Anleihe wenig gehandelt wird und die Differenz (=Spread) zwischen Kaufkurs und Verkaufskurs sehr groß ist. Durch ein hohes Handelsvolumen kann dieses Risiko minimiert werden. Es geht hierbei darum, dass man seine Anleihe schnell in Geld umwandelt, wenn man sein Geld aus irgendwelchen Gründen dringend benötigt. Zudem besteht dieses Risiko bei geringen Anleihenvolumen von kleinen Unternehmensanleihen.

Emittentenrisiko

Das Emittentenrisiko entsteht, wenn die Anleger das Vertrauen in den Emittenten verlieren. Als folge dessen verschlechtert sich das Rating und der Emittent erhöht in vielen Fällen die Zinsen auf seine Anleihen, damit diese wieder als attraktiv gelten. Im schlimmsten Fall geht der Emittent pleite.

Zinsänderungsrisiko

Dieses Risiko besteht, wenn die Zinsen auf Anleihen steigen. Daraufhin werden die Preise für alte Anleihen deutlich fallen.

Wiederanlagerisiko

Dieses Risiko besteht, wenn du derzeit Anleihen mit einem Zins von sagen wir mal 6% hättest. Wenn du das Laufzeitende erreichst und dein Geld wieder anlegen möchtest kann es je nach Zinsumfeld sein, das du nur noch 2% an Zinsen auf die selbe Anleihe bekommen würdest. Für dich besteht das Risiko, dass du somit bei einer Wiederanlage mit den selben Rückflüssen kalkuliert hast.

Währungsrisiko/ Inflationsrisiko

Diese beiden folgenden Risiken fasse ich zusammen, da diese immer bestehen. Das Währungsrisiko sollte selbsterklärend sein. Der Wechselkurs von Euro/Dollar beeinträchtigt natürlich auch Anleihen aus den USA, wenn du als Europäer diese kaufen möchtest. Dieses Phänomen kannst du mit dem Erhalt von Dividenden von Unternehmen aus den USA zu unterschiedlichen Wechselkursen vergleichen.

 

Schlusswort

Ich hoffe du konntest in diesem Artikel etwas für dein eigenes Portfolio mitnehmen. In den Kommentaren kannst du mir gerne deine Meinung über Anleihen im Depot mitteilen.

Meinen Blog findest du zudem auch auf Facebook und Twitter.

 

Viele Grüße

Stefan

2 Kommentare
  1. Gebhart Voss
    Gebhart Voss sagte:

    Hallo Stefan,

    bin heute auf Deine Seite gestoßen und werde ein paar Komentare hinterlassen, wenns recht ist.

    Ich beschäftige mich seit letzten Jahr mit dem Thema passives Einkommen und halte ein „Einkommensdepot“, welches regelmäßig Erträge ausschüttet als wichtigste Säule bei diesem Thema. Ziel ist es, aktives Einkommen so zu investieren, dass passives Einkommen erzeugt wird. Daher bin ich aktuell dabei, ein „Einkommensdepot“ über Sparpläne aufzubauen. Maßgeblich inspiriert hat mich das kleine Büchlein „Absolute Cashflow“, welches ich Ende letzten Jahres gelesen habe und danach mein Depot neu strukturiert habe. Aber kommen wir zum Thema Anleihen. Auch wenn viele denken, Anleihen sind eher eine langweilige Geschichte ohne Ertrag (jeder meint zu wissen, dass es ja eh keine Zinsen gibt) sollten Anleihen als stabilisierender Faktor Teil des Depots sein. Ich persönlich halte folgend Anleihen-Fonds für recht lukrativ, natürlich haben sie alle auch ein Maß an Risiko:
    Templeton Global Bond (971663), weil er monatlich (!) ausschüttet mit einer Ausschüttungsrendite von 5-6% p.a.
    High Yield Corporate Bond (A1C3NE), der durchschnittlich 3,8% p.a. ausschüttet und im März und Sept. Auschüttungstermin hat.
    Deka EUR Soverrain Diversif. 1-10 (ETFL11), der mit 1,9% Ausschüttung recht schlecht daher kommt, aber gegenüber den anderen beiden einen höheren Investmentgrade bei den Anleihen bevorzugt und daher eben sicherer ist.

    Das nur als Beispiel für interessante Anleihen-Fonds, die ein Dividenendepot sinnvoll ergänzen und diversifizieren können.

    Viele Grüße
    Gebhart

    Antworten
    • Stefan
      Stefan sagte:

      Guten Tag Gebhart,

      Vielen Dank für deinen echt guten Kommentar und für deine vorgeschlagenen Fonds, welche ich mir definitiv mal anschauen werde.

      Beste Grüße
      Stefan

      Antworten

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